"Hobor" ; Foto: Beate Hansen, 28.03.2010
"Hobor" ; Foto: Beate Hansen, 28.03.2010

Der Senderstorch „Hobor"

Der Dithmarscher Senderstorch „Hobor" fliegt als erster Storch aus
Schleswig-Holstein mit einem Satellitensender ausgestattet in das
Winterquartier.
Alljährlich findet die Jahresversammlung unserer ehrenamtlichen Arbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz im NABU, in Bergenhusen statt. Der Mitarbeiter Kai-Michael Thomsen, des Instituts für Wiesen und Feuchtgebiete, teilte auf der Herbstversammlung 2008 mit ,das erstmals im Sommer 2009 geplant sei, drei Brutstörche einzufangen und mit Solar-Satellitensendern auszustatten. Die erheblichen finanziellen Mittel auch unter Mithilfe von Sponsoren stünden in 2009 dazu zur Verfügung. Dieses unter Federführung des NABU geplante Forschungsvorhaben in der Zugvogelforschung interessierte mich von Anfang an brennend. Nach einigen Überlegungen entschloß ich mich zur aktiven Mithilfe.
Ich bot an unsere Brutstörche hierfür einzufangen.
Zum 31.Male in seiner Geschichte war in der Brutsaison 2009 das Mastnest in unserem Garten in ununterbrochener Reihenfolge von
Brutstörchen besetzt.
Nie hatten wir unseren Störchen Namen gegeben. Doch das änderte sich nach dem 01.07.2009. Der geglückte erfolgreiche Fang und die
Besenderungsaktion des Männchens „Hobor" machten dies wegen der
geplanten Internetveröffentlichungen des NABU erforderlich.
„Hobor" ist ja bekanntlich der plattdeutsche Name in der Landschaft
Dithmarschen für den Weißstorch. Deshalb entschieden meine Frau und ich uns eben gerade für diesen originellen Namen, den ich im folgenden weiteren Artikel weiter verwenden werde.
Ich hatte unser Brutpaar schon seit über drei Wochen an eine selbst
konzipierte Falle gewöhnt, und in der Falle immer ein wenig Futter angeboten. Beide Altstörche nahmen den Futterplatz am äußeren Ende -also weit in der Falle - zu meiner großen Überraschung schon gleich
am ersten Tag ohne große Scheu und Vorsicht an. Das Weibchen lief
am Fangtag gleich mehrfach in die Falle, wurde aber immer scheuer. Der Fangversuch war deshalb auch zu riskant und wurde abgebrochen.
Schließlich wechselte das Brutpaar und der bis dato seine vier diesjährigen Jungen bewachende „Hobor" flog vom Horst und suchte
schnurstracks arglos die Falle auf. Das Stützholz wurde per Seilzug zum Einsturz gebracht und unter dem großen Bundeswehrtarnnetz wurde „Hobor" gefangen. Ihm war dabei -wie geplant- nichts passiert.
Dr. Michael Kaatz vom Storchenhof in Loburg, Sachsen-Anhalt, nahm dann sehr fachgerecht die Besenderung des „Hobor" vor.
Er erhielt einen amerikanischen GPS-Solarsender der immerhin gut
3000 Euro teuer ist. Auch die Satellitendaten schlagen noch mit weiteren 9 Euro pro Kalendertag zu Buche.
Bei dieser Gelegenheit bekam dann der bis dahin unberingte „Hobor"
auch einen Elsa Ring der Vogelwarte Helgoland. .Seine Ringnummer
lautet: DEW 5X055.
„Hobor" überstand die aufwendige Prozedur offensichtlich ohne größeren Streß. Sein Kopf war während der Besenderungsaktion die meiste Zeit mit einem Handtuch leicht abgedeckt und das Tier war dadurch sichtlich beruhigt.
Als alles überstanden war ließ ich „Hobor" am höchsten Punkt in der nahen Hauskoppel wieder frei. Für einige Fotos blieb er noch 1-2 Minuten wie zur Besinnung im Gras sitzen. Dann sprang er urplötzlich auf und flog von dannen. An diesem Abend kehrte er nicht
zu seinem Weibchen und den vier Jungen aufs Nest zurück.
Am nächsten Morgen jedoch lief er schon wieder in der Hauskoppel, flog später aufs Nest und fütterte auch wieder seine Jungen.
Mit dem Sender Huckepack flog er als sei nichts gewesen, allerdings war der Sender jetzt vollständig im Rückengefieder verschwunden und nur die sehr biegsame Antenne war sichtbar.
Am 17.07.2009 wird „Hobor" das erste Mal an seinem Ring erkannt.
Morgens um 6.00 Uhr inspiziert er das im Frühjahr 2009 neu errichtete Mastnest auf dem Grundstück des E-On Mitarbeiters Johannes Juhl in der Dorfmitte von Linden. Mit Herrn Juhl verbindet mich eine schon Jahrzehnte lange bewährte Mitarbeit im Storchenschutz. Mit dem Hubsteigerfahrzeug der E-On haben wir beide unzähligen Einsätze wie z.B. Beringungen,Hilfeleistungen für Jungstörche,Nestreinigungen und Nestdrainagen sowie Horstneuanlagen bewältigt.
„Hobors" einwandfrei arbeitender Sender dokumentierte seine Stippvisite. Außerdem lieferte der Sender schon exakte Daten über die
Lage seines Nahrungsreviers. Dieses erstreckt sich über ein großes, von Dauergrünland geprägtes Niederungsgebiet im Bereich der Lindener Au bzw. der Broklandsau. Es umfasst ca. 340 Hektar an Fläche und wird begrenzt durch die Dörfer Westerborstel- Rederstall-Barkenholm-Linden-Pahlkrug.

Abzug ins Winterquartier: „Hobors" Reiseweg in der Satellitenüberwachung.
Am 30.08.09 bleibt Abends der Bruthorst leer. Offensichtlich hat „Hobor" den Herbstzug angetreten. Jedoch wie uns die Senderdaten später verraten werden, war er lediglich 2 Nächte in Heide-Süderholm
nur ca. 10 km Luftlinie von seinem Horst entfernt.
Die Nacht vom ersten auf den 2.September verbringt er wieder auf seinem Bruthorst.
Am 02.09.2009 bei erstem Tageslicht kann ich ihn einwandfrei um 6.05 Uhr per Spektiv an seinem Ring identifizieren. Die nochmalige Rückkehr eines Storches der seinen Bruthorst schon verlassen hatte, haben wir in 31 Jahren nie feststellen können. Ab ca. 6.30 Uhr ist „Hobor" bei nicht idealem Zugwetter dann zum Herbstzug gestartet.
Sein interessanter Zugweg ist auf den Internetseiten des NABU
unter www.nabu.de in aller Ausführlichkeit gut beschrieben und nachzulesen.
Sein bisheriges Reisetagebuch (Kurzform)
02:09:2009 Deutschland. Seine erste Tagesetappe von 116 km endet in der Gegend von Schwarzenbek,östlich von Hamburg.
03.09.2009 Deutschland: bei Preten an der Sude im Kreis Lüneburg
04.09.2009 Polen: Westlich von Posen,die Tagesetappe lag bei 370 km
09.09.2009 Ukraine,nahe der rumänischen Grenze am Fuße der Karparten, Reiseweg bis dahin ca. 1.440 km
10.09.2009 Zug durch Rumänien und Bulgarien entlang der Küste des
Schwarzen Meeres.
11.09.09 Türkei: Überquerung des Bosporus und Weiterflug in die zentrale Türkei.
13.09.2009 ist er 100 km südlich Tuz Gölu , einem großem Salzsee
14.09.2009 Syrien: ist durchquert, Landung nördlich der Golanhöhen
16.09.2009 Israel: Start in der Negev Wüste, vormittags erreicht Hobor schon die Sinai-Halbinsel
17.09.2009 Ägypten: Flug vom Sinai über den Golf von Suez in Richtung Nil. Hobor nächtigt ca. 40 km westlich von Edfu in der Wüste.
18.09.209 Zugweg westlich entlang des Nils und Assuan Staudamms.Hobor übernachtet in der Sahara.
20.09.2009 Sudan: Hobor verlässt den Nil in Richtung Südwest. Er übernachtet auf Bäumen an einem ausgetrockneten Flussbett.
23.09.09 Tschad: Nach über 300 km Zugweg wird der Tschad erreicht .Bis jetzt hat Hobor in nur 22 Tagen 6712 km zurückgelegt.Durchschnittlich also 305 km am Tag.
Tschad: Offenbar hat Hobor das erste längere Zwischenrastgebiet erreicht. Er rastet in der Nähe des Flusses Bath der den Lake Fiti speißt .Dort ist zu dieser Zeit noch mehr Vegetation und damit Nahrung (wohl Heuschrecken) vorhanden.
29.092009 Tschad: Am Fluß Batha. Hobor nutzt ein Gebiet zur Nahrungssuche das maximal drei Kilometer lang ist.Nachts kehrt er immer wieder an den gleichen Ort zurück. Vermutlich nutzt er einen sicheren Schlafbaum.
02.10.2009 Tschad: Umherstreifen auf der Suche nach Nahrung. Hobor zieht 150 km in südöstliche Richtung(Richtung Sudan) Am 04.10.09 fliegt er allerdings die 150 km wieder zurück in sein bisheriges Rastgebiet.
05.10.2009 nur kleinere Tagesetappen im Tschad zwischen 10- 80 km/am Tag.
25.10.2009 Tschad:Aufbruch in östliche Richtung, Tagesetappe 120 km
26.10.2009 Nach weiteren 255 km Tagesflug ist Hobor wieder im Sudan.Rast in der Nähe der Hauptstad Al Dschunaina der Provinz West Dafur
30.10.09 Hobor ist erneut umgekehrt und jetzt wieder im Tschad.Er pendelt im Grenzgebiet Tschad/Sudan
02.11.09 - 05.12.09 Sudan: Umherstreifen im südöstlichen Teil der Provinz Dafur. Tagesstrecken zwischen 30 - 170 km.
Hoffen wir auf weitere interessante Senderdaten unseres Hobor und möge er heil und gesund im Frühjahr 2010 seinen vertrauten Bruthorst
Bei uns in Linden-Pahlkrug wieder erreichen..
Erwähnenswert ist auch sein bisheriger Bruterfolg..
Hobor ist Brutstorch seit 2003 in Linden-Pahlkrug.Von 2003- 2009 zog er in diesen 7 Brutjahren insgesamt 27 Jungstörche auf . Im Jahre
2005 brachte er 5 Jungstörche zum Ausfliegen, seinerzeit die einzige Fünflingsbrut!!!! Brut in Schleswig Holstein. Rein rechnerisch betrug sein Brutergebnis 3,85 Jungstörche pro Brutjahr. Wahrlich ein tolles Ergebnis .Seine Jungen habe ich alle beringen können. Von sechs dieser Jungstörche liegen mir bereits Wiederfundmeldungen vor, allerdings zwei Mal mit traurigem Hintergrund.
1.Jungstorch 1x849,aus 2004,tot aufgefunden am 22.04.08 bei Jalm (Nähe Tarp),Entfernung Geburtsnest/Fundort =43 km
Dieser Jungstorch dürfte auf der Suche nach einem Bruthorst gewesen sein. Vierjährig müsste er geschlechtsreif sein. Es liegen keinerlei andere Nachweise über dieses Tier vor.
2.Jungstorch 3x908,aus 2007,tot aufgefunden 25.09.07 auf seinem erstem Herbstzug bei St.Romain/Frankreich unter einer Stromleitung Entfernung Geburtsnest/Fundort = 819 km
3. Jungstorch 5x051, aus 2008,lebend ! abgelesen18.08.08 auf
seinem erstem Herbstzug bei Alzingen/Luxemburg. Entfernung Geburtsnest/Fundort =562 km
4.Jungstorch 2x819,aus 2006,lebend!! Abgelesen am 04.05.09 in Hitzhusen ,Entfernung Geburtsnest/Fundort = 56 km/Fundort
5.Jungstorch 2x816 aus 2006,diverse lebend!! Ablesungen z.B. am 02.07.07 als Nichtbrüter in Wootz/Brandenburg/Entfernung 194km
am 29.06.09 als Übersommerer/Nichtbrüter im Wildpark Eekholt in Ansammlung von 43 Störchen, am 09.08.09 in Trupp von bis zu 88 Störchen wiederum in Eekholt, und nochmals in Eekholt am 11.08.09
in einer Ansammlung von ca. 90 Störchen
6.Jungstorch 2x808 aus 2005,diverse lebend Ablesungen und war 2009 sogar Brutvogel in Bergenhusen. Leider starben seine ersten erbrüteten Jungvögel bei dem großen Regen am 11.06.2009
Ablesungen: Schon als einjähriger Nichtbrüter am 30.04.06 in Unbesandten/Brandenburg, Entfernung 191 km ,am 02.05.06 ein weiterer Nachweis ebenfalls aus Unbesandten/Brandenburg. Am 22.05.08 verpaart mit einem unberingtem Weibchen in Schlichting/Dithmarschen. Leider keine Brut/Eiablage. Am 18.06.08
als Durchzügler in Bergenhusen/ Entfernung 13 km.
Am 15.04.09, 21.04.09, und 01.07.09 in Bergenhusen als Brutvogel in
Bergenhusen, verpaart mit Weibchen 4x873,drei Jungvögel verstarben
durch Regenwetter.
Am 01.09.09 lebend !! abgelesen als Durchzügler in Holtorf/Reg.Bezirk Lüneburg als Durchzügler. Entfernung 203 km

Bei den Nachweisen zu 2 und 3 könnte man eventuell den Schluß ziehen auch „Hobor" sei ein Westzieher. Auch seine relativ frühe Rückkehr
an seinen Bruthorst im Zeitraum 26.März bis 1.April könnte auf einen
Westzieher deuten. Sein Sender hat uns aber ja schon eines besseren
belehrt. "Hobor" ist ein Ostzieher.

Verfasser;
Rolf Zietz
Weißstorchgebietsbetreuer Dithm.Nord
Linden -Pahlkrug 11.09.2009