Bericht zur Storchensaison 2010, Bereich Dithmarschen Nord
Zuständigkeit: Gebietsbetreuer Rolf Zietz, Pahlkrug 15,25791Linden
Tel. 04836/549, E-Mail: Rolf.Zietz1@gmx.de
In diesen Tagen werden so nach und nach die Jungstörche flügge. Jetzt ist es an der Zeit für die ehrenamtlichen Storchenväter der Arbeitsgemeinschaft Storchenschutz im NABU (Naturschutzbund) einmal Bilanz zu ziehen.
Erfreuliches gibt es für den Bereich des nördlichen Dithmarschens zu berichten. So stieg die Zahl der Horstpaare von 12 in 2009 auf jetzt 14 an. Auch an den zahlreichen weiter vorhandenen Nistgelegenheiten waren recht häufig Einzelstörche und auch Paare gesichtet worden.
Die Tiere verschwanden dann aber in der Regel nach wenigen Tagen wieder. Von den 14 Paaren zogen allerdings nur 8 Paare erfolgreich Junge groß. Insgesamt werden 28 Jungstörche (in 2009 waren es nur 13) die weite und gefährliche Reise in das afrikanische Winterquartier antreten.
Die Winterquartiere können bei den sogenannten Oststörchen bis zu
10.000 km entfernt im südlichen Afrika liegen. Bei den Weststörchen, die schon zum großen Teil auf der iberischen Halbinsel überwintern oder ggf. auch Westafrika ansteuern ist der Weg nur 2000- 3000 km lang.
Der mit einem GPS-Solarsender ausgestattete männliche Brutstorch aus Linden-Pahlkrug , von den Medien auf „Hobor“ getauft, erschien am 26. März an seinem Horst. Sein langjährig von ihm bewohnter Horst wurde ihm aber schon eine Stunde nach seiner Ankunft streitig gemacht. Was war geschehen? Ein anderes Storchenmännchen hatte sein Nest schon ab Ende Februar besetzt gehalten. Weil der fremde Nestbesetzer schon so früh im Brutrevier erschien, kann man davon ausgehen, dass er ein Westzieher (Spanien) und „Hobor“ dagegen ein
Ostzieher (Sudan) ist.
Es kam sofort zu einem kurzen heftigem Kampf den „Hobor“ an seinem Ankunftstag offensichtlich nicht gewinnen konnte, da er einen
ca. 7000 km langen Heimflug aus der Sahelzone des Sudan gerade hinter sich hatte. Mit erheblichen Blessuren und blutverschiertem Brustgefieder erholte er sich einige Tage auf dem Nest in Heide-Süderholm. Dann Ende März konnte er seinen schon 8 Jahre benutzten Horst wieder erobern. Schon am nächsten Tag gesellte sich
ein Weibchen dazu, doch wie sich herausstellte, war das nicht die langjährige Brutpartnerin. „Hobors“ neue Affäre endete schon am zweiten Tag, denn nun erschien das richtige Weibchen und setzte vehement ihre Besitzansprüche auf Nest und Partner durch.
Für das nun wieder vereinte Paar begann die neunte Brutsaison.
Auch einen Brutrekord gab es für die beiden. Bei der Beringung der Jungen konnten 5 Jungstörche –Rekord für Dithmarschen—festgestellt werden.
Das Nesthäkchen war jedoch zwei Drittel kleiner wie seine vier Geschwister. Deshalb wurde der Entschluß gefasst es auszuhorsten und als Pflegling in einer Aufzuchtstation aufwachsen zu lassen.
Das gelang auch zur vollsten Zufriedenheit. Schon nach 14 Tagen war aus ihm ein ansehnlicher Jungstorch geworden. Er wird seinen ersten
Herbstzug zusammen mit den Bergenhusener Jungstörchen antreten können.
Das bei Storchenbruten das Nesthäkchen (zuletzt geschlüpft) oft bedeutend kleiner ist, ist die Regel. Da der Storch ab dem ersten Ei mit der Brut beginnt, kann –wie in Pahlkrug geschehen-- ,der zuletzt geschlüpfte 10- 12 Tage Rückstand auf das erste Junge haben. Die Nestgeschwister haben sich oft schon erheblich entwickelt und drängen bei der Fütterung das Kleinste immer mehr ab, das dann ziemlich bald an Nahrungsmangel verendet. Dieses Schicksal hatten leider die Nesthäkchen in Heide-Süderholm und z.B. in Bargen/Eider, obwohl in diesen beiden Horsten der Größenunterschied längst nicht
so krass war wie in Linden-Pahlkrug bei „Hobors“ Nachwuchs.
Auch von anderen Bruthorsten gab es wieder einige Besonderheiten zu berichten.
Wiemerstedt: Die in Wiemerstedt seit Jahren überwinternden Störche verloren bei einem heftigem Herbststurm zunächst ihren gewaltigen, schon mehrere Tonnen schweren Horst. Es wurde umgehend ein neues Nest angebracht, was auch sofort angenommen wurde. Im Frühjahr verlief die Brut zunächst dann völlig normal. Doch dann wurde von einer Anwohnerin beobachtet, das ein Altstorch die eigenen Jungen auf fraß. Fortan pendelte das nun jungenlose Paar zwischen seinem Althorst in Wiemerstedt und einem neu errichteten Horst in Fedderingen hin und her.
Linden:
Große Freude in Linden. Denn Linden hat nun in der Dorfmitte nach über 30 jähriger Unterbrechung wieder ein besetztes Storchennest, und damit einen zweiten Horst auf seinem Gemeindegebiet. Zwar gab es dort in diesem Jahr noch keinen Nachwuchs, aber das neue Paar baute eifrig am Horst und war dort auch ab Mitte Mai ständig präsent.
Da das Männchen beringt ist, stellte sich schnell heraus, das er erst drei Jahre alt ist und aus Bergenhusen stammt.
Delve:
In Delve hoffte man lange vergeblich auf Nachwuchs. Das Paar brütete nach 8 Wochen immer noch. Die drei Eier im Nest waren entweder nicht befruchtet oder sie waren möglicherweise abgestorben,
weil die Altvögel während der Bauarbeiten für eine Photovoltaikanlage in unmittelbarer Horstnähe das Gelege zu lange alleine ließen. Das das Gelege nicht befruchtet war, kann aber auch ganz natürliche Ursachen gehabt haben. Denn auch in Nestern in Heide-Süderholm und in Hennstedt-Horst wurden bei der Beringung
nicht befruchtete Eier gefunden.
Pahlen/Bäckerei:
In Pahlen bei der Bäckerei Laabsch war zunächst das Vorjahrespaar vorhanden. Doch dann verschwand das Weibchen. Sie siedelte nach Schafstedt um. Der verlassene Storchenmann blieb sechs Wochen lang alleine, als sich dann ein neues Weibchen einfand, war es für eine
Brut schon zu spät.
Glüsing:
Hier kam es in dieser Saison zu einer erfolgreichen Viererbrut. Die Horstbesitzer können sich nicht erinnern, dass es schon einmal Vierlinge in Glüsing gab.
Tielenhemme:
Auch dort sind es 4 Junge im Horst. Das beste Ergebnis seit Bestehen des Horstes, den es erst ein paar Jahren gibt.
Pahlen/Schwimmbad:
Auch dort ein Paar mit 4 Jungen. Beide Altvögel wurden gefangen und für ein Forschungsprojekt des NABU mit Satellitensendern versehen. Da die Tiere bisher unberingt waren, erhielten sie bei dieser
Gelegenheit auch einen Ring der Vogelwarte Helgoland.
Das der Fang und die Besenderung offenbar keinen nennenswerten Eindruck auf die Störche macht, zeigte sich beim Fang des Männchens.
Das tags zuvor bereits besenderte Weibchen ging wie selbstverständlich erneut in die Falle, wurde zusammen mit dem Männchen gefangen und konnte natürlich sofort wieder freigelassen werden, während das Männchen für die Wissenschaft dann noch seinen Sender und Vogelwarten Ring erhielt.
So sind nun insgesamt 6 Dithmarscher Störche mit Sendern versehen und werden sicherlich sehr interessante Daten zum Zugablauf, zu den
Rastgebieten und zur Lage der Winterquartiere für die Wissenschaft
liefern können. Alle Daten sind, jeweils alle drei Tage aktualisiert im Internet unter :: www.nabu.de für jedermann einsehbar.
Schon der Herbstzug 2009 und der Heimzug im Frühjahr 2010 des Senderstorches „Hobor“ ist im Internet zu verfolgen, die Seiten wurden bislang über 200.000 Mal angeklickt.
Ab Anfang August kann es schon zu den ersten Storchenansammlungen kommen. Sollte jemand mehr als 5 Tiere beobachten können, bitten die Dithmarscher Storchenväter um eine
kurze telefonische Benachrichtigung an:
Uwe Peterson, Nindorf: Telefon: 04832/5485
Rolf Zietz, Linden: Telefon:04836/549
Jörg Heyna, Lohe-Rickelsh. Telefon :0481/7890789
Abschließend die Brutstatistik für 2010, die Zahl in Klammern gilt für 2009.
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1. Delve 0 (2)
2. Glüsing 4 (0)
3. Heide-Süderholm 2 (0)
4. Hennstedt-Horst 2 (0)
5. Hennstedt-Hochf. 0 (2)
6. Kleve 4 (0)
7. Linden-Pahlkrug 5 (4)
8. Linden-Dorf 0 (0)
9. Pahlen-Bäckerei 0 (0)
10.Pahlen-Schwimmbad 4 (0)
11. Tellingstedt 3 (3)
2.Tielenhemme 4 (1)
13. Wiemerstedt 0 (1)
Jungenzahl /Gesamt 28 (13)
Verfasser: Rolf Zietz.Linden-Pahlkrug,den 12.07.2010
Weißstörche in Schleswig-Holstein
